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Vorwort

Es ist gut, dass Gewalt gegen Kinder in unserer Gesellschaft kein Tabuthema mehr ist, dabei darf man aber nicht vergessen, dass laut offizieller Kriminalstatistik immer noch 2 Kinder in der Woche an den Folgen von Gewalt sterben und ca. 80.000 Kinder tagtäglich Gewalt erleben, hier in Deutschland, mitten unter uns! Das bezieht sich nur auf die bekanntgewordenen Tragödien, die Dunkelziffer von gewaltgeschädigten Kindern dürfte weitaus höher sein.

Als ich 1985 in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitete, lernte ich den leitenden Psychiater Dr. Eugen Jungjohann kennen, der schon früh bei seiner Arbeit mit den Kindern realisiert hatte, dass Gewalterfahrung ein in sich krank machender Faktor ist und einer besonderen Diagnostik bedarf. 1988 gründete er die erste ärztliche Kinderschutzambulanz in Düsseldorf, und ich hatte die Möglichkeit, diese mit aufzubauen. Im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass ambulante Diagnostik oft an Grenzen stieß. Es fehlte ein „sicherer Ort", der es den Kindern nicht nur ermöglichte, über ihre erlebte Gewalt zu reden, sondern sie zusätzlich vor weiterer familialer Gewalt schützte und sie im Alltag begleitete. Aus diesen Erfahrungen resultierten dann die Gründung der ersten stationären Diagnostikeinrichtung für gewaltgeschädigte Kinder, Kind in Düsseldorf (KiD), und das damit verbundene KiD-Konzept, welches bis heute fortlaufend weiterentwickelt wurde und nun mit der Gründung von KiD Kind in Diagnostik seine Fortsetzung findet.

Als Ende der 90er Jahre die ersten Ergebnisse aus der Traumaforschung und neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung zur Wirkung von Gewalt bekannt wurden, bestätigten diese unser aus der Praxis heraus entwickeltes Konzept.

KiD Kind in Diagnostik möchte die Versorgung von traumatisierten Kindern nachhaltig verbessern. Dies umfasst vornehmlich die spezifische Diagnostik, die diese Kinder benötigen, sowie die daraus resultierenden Empfehlungen für

Anschlussmaßnahmen.Schwerpunktmäßig sollen neue KiD-Häuser entstehen, die sich dieser anspruchsvollen Aufgabe stellen. Dabei greift KiD Kind in Diagnostik auf seine langjährige Erfahrung zurück und stellt sein bewährtes Knowhow zur Verfügung, um geeignete Träger zu finden, die jeweiligen Einrichtungen zu beraten, das Personal zu schulen, zu helfen, ein geeignetes Krisenmanagement aufzubauen, Kooperationspartner fortzubilden etc. Das macht Sinn und ist ein Gewinn für alle, besonders für die betroffenen Kinder und Familien.

Durch meine Ernennung zum Ashoka Fellow 2011 habe ich viel Zuspruch und wertvolle Unterstützung erhalten, die es mir nun ermöglicht, mit der Gründung dieser gemeinnützigen GmbH eine Plattform zu bilden, mit deren Hilfe ich Gelder akquirieren und so zusammen mit einem kompetenten Team die wertvollen Erfahrungen bündeln, weitergeben und weiterentwickeln kann. Meine Erfahrungen mit den ersten nach diesem Prinzip bereits gegründeten Häusern in Hannover und Hamburg haben gezeigt, dass dies funktioniert. Wir müssen den Kindern und ihren Familien mit dem Herzen zuhören und mit Sachverstand weiterhelfen. Das geht aber nur, wenn wir interdisziplinär gut zusammenarbeiten und uns aller Facetten dieser komplexen Arbeit annehmen. Dabei sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Folgen familialer Gewalt neben dem individuellen Leid auch einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, wie die Studie von Fearon und Hoeffler sowie die KiD-Studie von Prof. Dr. Beckmann eindrucksvoll belegen.

Ich möchte mich bei Allen herzlich bedanken, die bei dieser Arbeit auf unterschiedlichste Art und Weise geholfen und sie begleitet haben, und hoffe auch in Zukunft auf weiteren Zuspruch und viel Unterstützung.

Herzliche Grüße

Claus Gollmann

Was macht KiD?

Das sollten Sie noch wissen
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Was macht KiD?

Wir wollen die Qualität der Diagnostik und Versorgung von gewaltgeschädigten Kindern verbessern. Wir wollen das bewährte KiD-Konzept bundesweit verbreiten. Wir wollen dabei mithelfen, die Spirale der Gewalt zu unterbrechen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und das Gesundheits- und Sozialsystem zu entlasten. Wir lassen unsere Arbeit wissenschaftlich begleiten. Aus den Erkenntnissen sowie dem jeweils aktuellen Forschungsstand heraus entwickeln wir das Konzept konsequent und kontinuierlich weiter.

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Wer kooperiert mit KiD?

Wir arbeiten mit Jugendämtern, diversen Jugendhilfeträgern, Kinder- und Jugendpsychiatrien, spezialisierten Beratungsstellen, Gerichten, Kriminalpolizei, Schulen und KiTas etc. zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wie geht KiD vor?

Wir suchen und unterstützen Jugendhilfeträger in ausgewählten Städten, die unser KiD-Konzept übernehmen möchten. Wir wollen sie dabei mit unserem Knowhow beraten und finanziell unterstutzen, mit dem Ziel, dass diese KiD-Häuser nach einem Zeitraum von circa drei bis fünf Jahren selbständig und kostendeckend arbeiten können.

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Wie verbreitet ist KiD?

KID arbeitet mit großem Erfolg seit über 20 Jahren in Düsseldorf. Ein weiteres KiD-Haus in Hannover existiert seit 2009. In Hamburg wurden im Zeitraum von 2014 bis Frühjahr 2017 Kinder nach dem KiD-Konzept betreut. Weitere Städte bundesweit sind in Planung.

Das KiD - Konzept

Gesellschaftliche Ausgangslage und Umfang des Problems

Gewalt gegen Kinder ist kein gesellschaftliches Tabuthema mehr. Das ist ein großer Fortschritt, bedeutet aber in der Konsequenz auch, dass wir eine adäquate Antwort darauf geben und etwas tun müssen. Denn die betroffenen Kinder bekommen noch zu selten die angemessene und notwendige Hilfe und Unterstützung.

Differenzierte Studien gehen davon aus, dass jedes achte bis zehnte Kind von erheblicher Gewalterfahrung betroffen ist. Neben der Bekämpfung der multiplen Risikofaktoren und konkreten Ursachen (z. B. eigene, unbearbeitete Gewalterfahrungen in den elterlichen Biographien, psychische Erkrankungen der Eltern, soziale und wirtschaftliche Notlagen oder allgemein die Spirale der Gewalt) geht es um die Diagnostik und die (Weiter-) Entwicklung adäquater Hilfen. Speziell diesen Aspekten widmen wir uns.

Kinder, die Opfer von sexueller, emotionaler und körperlicher Gewalt oder von Vernachlässigung geworden sind, machen sich aus vielerlei Gründen häufig zunächst nicht oder nur indirekt bemerkbar, werden oft zu spät erkannt und finden dadurch wenig Unterstützung und Abhilfe in ihrem Leid. Fehlt rasche Hilfe, werden sie auffällig, entwickeln Symptome oder werden sogar schwerwiegend psychisch krank. Sie kommen spät und oftmals rein aufgrund ihrer Symptome in Kontakt mit der Jugendhilfe oder dem Gesundheitssystem. Die Ursachen ihrer Probleme sind nicht immer offensichtlich, sodass die angebotenen Hilfen nicht spezifisch genug sind oder sogar an der eigentlichen Ursache vorbeiarbeiten.

Viele dieser Maßnahmen werden abgebrochen. Laut Bundesstatistik und Auswertungen anderer Institute zum Thema Wirkungsfragen liegt die Abbruchquote von Hilfen zur Erziehung durch die beteiligten Sorgeberechtigten, Kinder und Jugendlichen je nach Kommune im Durchschnitt bei insgesamt 30 bis 40% aller Hilfen. Diese Abbrüche sind meist von nachfolgend intensiveren Maßnahmen und damit noch höheren Kosten begleitet, sofern die betroffenen Kinder und Jugendlichen nicht zu Hause verbleiben können.

Unsere langjährigen Erfahrungen wie auch die Studie von Frau Prof. Beckmann zeigen, dass gewaltgeschädigte und traumatisierte Kinder oft auf eine regelrechte Odyssee durch ambulante und stationäre Maßnahmen geschickt werden. Häufig kann nicht adäquat auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden, sie werden gar nicht erst verstanden oder der Zugang erfolgt rein reglementierend-erzieherisch und symptomreduzierend. Diese Kinder brauchen jedoch spezifische Bedingungen, unter denen es ihnen möglich ist, über ihre Not zu sprechen, sich mitzuteilen, in ihrer Not verstanden zu werden und sich selber in ihrer Symptomatik verstehen zu lernen. Nur so kann ihnen angemessene Hilfe angeboten und können sie in entsprechend geeignete weiterführende Maßnahmen vermittelt werden.

Neben dem enormen seelischen Leid für die Kinder entstehen der Gesellschaft erhebliche Kosten, sowohl im Gesundheits- wie auch im Sozialwesen, etwa durch die oft notwendige spezielle Beschulung, durch Schulabbrüche, kriminelle Laufbahnen, Behandlung bei etwaigem Drogenmissbrauch etc. Diese Kosten könnten dadurch erheblich reduziert werden, wenn die Kinder möglichst früh in adäquate Diagnostikverfahren eingebunden würden. So wird der tatsächliche Hilfebedarf ermittelt bzw. vermittelt. KiD mit seinem psychodynamischen Verständnis und seinem Anspruch von interdisziplinärer Zusammenarbeit bietet eine Möglichkeit, hierauf einzuwirken und Hilfen zu etablieren, die von großer Nachhaltigkeit sind.

Bisherige Lösungsansätze und Unterschiede zur Arbeit nach dem KiD-Konzept

Da das Thema schon seit Jahren zunehmend enttabuisiert worden ist und in den Fokus gerückt ist, existieren verschiedene Angebote für betroffene Kinder, die jedoch zu selten nachhaltig genug arbeiten können. Vorhandene ambulante Angebote zur Diagnostik, Beratung und Therapie reichen oft nicht aus, u.a. da die Kinder weiter in ihrem gewaltgeprägten Umfeld leben und so möglicherweise auch während der Diagnostik weiterhin Loyalitätskonflikten in Richtung ihrer Familie, eventuellen expliziten Schweigegeboten oder Bedrohungen und grundsätzlich dem Fortwirken der familieninternen Dynamik etc. ausgesetzt sind. Vorhandene stationäre Diagnostikmöglichkeiten arbeiten häufig allgemeiner (etwa im Sinne eines Clearingangebots bei allgemein unklarer Bedarfslage) oder sind eher im Gesundheitssystem angesiedelt, beispielsweise im Rahmen der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung etc.

Es gibt nach wie vor keine Einrichtungen (öffentliche wie auch solche in freier Trägerschaft) in Deutschland, die ein derart ausgerichtetes und umfassendes Diagnostikangebot anbieten, wie KiD es tut. Die langjährigen Erfahrungen aus der Arbeit im KiD Düsseldorf haben eine ebenso differenzierte wie umfassende Vorgehensweise entstehen lassen. Hieraus wollen wir eine übergreifende Strategie für KiD Kind in Diagnostik ableiten und in anderen Regionen etablieren. KiD Kind in Diagnostik zeichnet aus, dass Diagnostik, pädagogischer Alltag und stabilisierende Therapie unter einem Dach stattfinden. Die Schwierigkeiten der Kinder, die Verhaltensauffälligkeiten, psychosomatischen Beschwerden etc. werden als Symptome verstanden, die die Sprache der Kinder sind. Konkret werden die Kinder für einen erfahrungsbasierten Zeitraum von ca. sechs Monaten in der Krisen- und Diagnostikgruppe aufgenommen. Während dieser Zeit arbeitet ein sehr erfahrenes, multiprofessionelles Team aus Therapeuten und Pädagogen daran, einen möglichst umfassenden, differenzierten Blick auf die Situation des jeweiligen Kindes und dessen Familie zu gewinnen.

So gelingt es, ein psychodynamisches Verständnis des Kindes wie auch der Familie zu entwickeln und hieraus Perspektiven abzuleiten. Das Team arbeitet mit dem klaren Auftrag herauszufinden, ob das Kind Gewalt erlebt hat und wenn ja, in welchem Kontext diese Gewalt stattgefunden hat, wer der Verursacher bzw. Schädiger ist und welche Schädigung das Kind davongetragen hat. Unser Konzept zeichnet aus, dass wir dabei fünf Säulen der Diagnostik (Psychodiagnostik, Traumadiagnostik, Anamnese, diagnostische Beobachtungen im Gruppenalltag und therapeutischer Prozess; siehe Schaubild unter „Leistungen", S. 12) kombinieren.

Wir arbeiten mit dem Kind ebenso wie mit der Familie oder anderen wichtigen Bezugspersonen, erleben auch die Beziehung bei Besuchskontakten etc. und erstellen am Ende eine umfassende Empfehlung für das Kind nebst einer Einschätzung hinsichtlich Rückführungsmöglichkeiten oder Notwendigkeiten weiterer Unterbringung, etwa im Sinne von spezifisch zugeschnittenen Nachfolgemaßnahmen.

Vision und Zielgruppen

Unsere Vision umfasst mindestens eine Einrichtung in jedem Bundesland, die dem KiD-Konzept folgt und deren Mitarbeiter ein entsprechendes Verständnis, eine Haltung zum Kind und seiner Familie und zur gesamten Problematik entwickelt haben, die ein konstruktives Miteinander möglich macht. Dies ist nötig, um traumatisierte Kinder und auch deren Eltern in ihrer Psychodynamik besser zu verstehen, sodass effektive Veränderungsprozesse in Gang gesetzt bzw. angestoßen werden können. Nur wer z.B. nachvollziehen kann, warum ein Kind eher den sexuellen Missbrauch innerhalb der Familie aushält, anstatt darüber zu reden bzw. sich Hilfe zu holen, findet Zugänge zu dieser speziellen Klientel. Wenn ein Verständnis für die Symptome entwickelt und deren Sinn erkannt wird, besteht die Chance, wirklich und nachhaltig etwas zu verändern.

Durch die Etablierung weiterer KiD-Häuser sowie durch die damit verbundenen Fortbildungsmöglichkeiten wollen wir eine spezifische, hoch professionelle Haltung und Methode im Umgang mit gewaltgeschädigten Kindern und ihren Familien verbreiten. Das Leid der Kinder wird entsprechend verkürzt, die Familien erhalten entsprechende Unterstützung und die Jugendhilfelandschaft kann sich hinsichtlich der Belange dieser Kinder weiterentwickeln. Zielgruppen unserer Arbeit sind die Kinder selbst und ihre Familien, darüber hinaus alle am Prozess beteiligten Personen und Institutionen, wie zum Beispiel Jugendamtsmitarbeiter, Richter, Polizei etc. sowie alle weiteren in den Kinderschutz involvierten Fachkräfte und Mitarbeiter aus der Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen.

ZielgruppeAktivität/Produkt/ DienstleistungKurze BeschreibungErwartete Wirkung der Aktivität
Gewalt-geschädigte Kinder im Alter von 4-12 Jahren sechsmonatige Unterbringung Interdisziplinär angelegte Diagnostik des Kindes in allen seinen sozialen Bezügen mittels Psychodiagnostik, Traumadiagnostik, Psychoanalyse, Kinderpsychotherapie, Familientherapie, Heil- und Sozialpädagogik, konsiliarisch verschiedenen medizinischen Disziplinen Erarbeitung eines differenzierten, auf die Lebensgeschichte des Kindes ausgerichteten Hilfeangebots
Jugendhilfe-einrichtungen Kooperation mit stationären Wohnformen, wie z.B. Heimen, Wohngruppen, Erziehungs- oder Projektstellen etc. Entsprechend der Wohnform Weiterentwicklung adäquater Umgangsformen und Haltungen zu den Kindern und deren Familien
 Jugendämter Kooperation mit dem Allgemeinen und besonderen Sozialen Dienst, dem Pflegekinderdienst, Vormündern etc. Fallführende Mitarbeiter, die bei Kindeswohlgefährdung tätig werden Professionelles Handeln bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung
Richter Dialog mit Familienrichtern, Strafrichtern Familienrichter entscheiden über eventuellen (Teil-)Entzug der elterlichen Sorge (vgl. §1666 SGB VIII) Fachliche Basis für angemessene Entscheidungen liefern
Eltern Elternarbeit Anamnese, Beratung und Therapie Sicht auf das Kind verändern, eigene biografische Belastungen bearbeiten
Polizei Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Wird tätig bei angezeigten Fällen von Kindesmisshandlung Durch Fort- und Weiterbildungen bessere Kooperation ermöglichen
Öffentlichkeit Veröffentlichung durch Printmedien und AV-Medien Diverse Radio- und Fernsehbeiträge sowie Artikel zum Thema Aufklärung, Lobbyarbeit für Kinder
Forschung/ Lehre Zusammenarbeit im Rahmen von Beauftragungen oder Beteiligung an Forschungsfragen Forschung hinsichtlich Ätiologie und Wirkung sowie Entwicklung von Lehrinhalten für entsprechende Studiengänge Verbesserung der Präsenz des Themas, Verbesserung von Bildung und Lehrinhalten
Ärzte/ Krankenhäuser Kooperation mit Kinderärzten, Gynäkologen, Urologen, Rechtsmedizinern, Kliniken Fort- und Weiterbildungen durch Zusammenarbeit und Veranstaltungen Vernetzung der Disziplinen zur umfassenden Diagnostik und Versorgung
Kindertages-stätten Kooperation mit Kindergärten, Familienzentren etc. Intensive Fort- und Weiterbildung aufgrund des §8a des SGB Frühzeitiges Erkennen von Symptomen
Verbreitungsmethode

KiD Kind in Diagnostik kann durch seine Protagonisten auf eine Erfahrung von über 20 Jahren zurückblicken. Die erste Einrichtung in Düsseldorf arbeitet inzwischen mit über 80 Jugendämtern zusammen, die Kinder an KiD überweisen. Durch eine hohe Auslastung der Plätze ist die wirtschaftliche Situation in Düsseldorf gesichert. Seit dieser Zeit werden zudem regelmäßige Fort- und Weiterbildungen für die verschiedensten Zielgruppen angeboten, die an der Gefährdungseinschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung beteiligt sind oder die diese Kinder anschließend in ambulanten oder stationären Settings betreuen.

Dass das KiD-Konzept sich auch in anderen Städten etablieren lässt, zeigen unsere aktuellen Erfahrungen aus Hannover und Hamburg. Primäres Ziel ist es, die zukünftige Diagnostikeinrichtung an einen freien Träger stationärer Jugendhilfeangebote anzubinden. Dies hat den Vorteil, dass schon etablierte Vernetzungsstrukturen vorliegen und nutzbar sind. Sollte kein geeigneter Träger bereit sein, besteht die Möglichkeit, dass KiD Kind in Diagnostik die Einrichtung selbst betreibt.

Zur Etablierung benötigen wir

  • eine ausführliche Analyse der Infrastruktur vor Ort
  • Gespräche mit ambulanten und stationären Einrichtungen, die mit gewaltgeschädigten Kindern arbeiten
  • Jugendämter, die offen sind für den Baustein der stationären Diagnostik und ihn als wertvolle Erweiterung in ihre Hilfsmöglichkeiten integrieren
  • vor Ort die Bereitschaft von Mitarbeitern von öffentlichen wie freien Jugendhilfeträgern sich fortbilden zu lassen, um der multikomplexen Arbeit mit diesen Kindern und ihren Familien gerecht zu werden
Zahlen und Fakten

 

Anzahl der betreuten Kinder

  • im KiD Düsseldorf insgesamt seit 1994: ca. 540
  • in Hannover seit 2009: ca. 80
  • in Hamburg wurden im Zeitraum von September 2014 bis März 2017 insgesamt ca. 25 Kinder nach dem KiD Konzept betreut

Seit 25 Jahren führt Claus Gollmann in den verschiedensten Einrichtungen Fortbildungen und Supervisionen zum Thema „Kindesmisshandlung" durch. Zielgruppen waren bisher in erster Linie Mitarbeiter der Jugendämter, von Beratungsstellen, Kliniken, Kindertagesstätten und der Polizei. Anzahl der Fortbildungen in Düsseldorf: 3 bis 4 Fortbildungen jährlich Anzahl der Fortbildungen national: ständige und regelmäßige Beteiligungen an deutschlandweiten Kongressen und Fachtagungen Mitentwicklung eines Masterstudiengangs an der Hochschule Koblenz, der den Kinderschutz in verschiedenen Professionen beinhaltet (Stand: Frühjahr 2017)

Qualitative Wirkungen

Qualitative Wirkungen

Die Wirkungen bzw. die Ergebnisse der Arbeit lassen sich daran messen, welche diagnostischen Erkenntnisse gewonnen wurden und wie die weitere Entwicklung eines gewaltgeschädigten Kindes im Anschluss verläuft. Zudem ist aufschlussreich, wie die Zusammenarbeit mit Kind und Familie sowie mit anderen Behörden und Einrichtungen verlaufen ist.

Die Qualität des Umgangs mit gewaltgeschädigten Kindern und ihren Familien hat sich im Raum Düsseldorf in den letzten Jahren erheblich verbessert, u.a. auch durch KiD und die durch uns durchgeführten Diagnostiken sowie Fortbildungen. Rückmeldungen zu weiteren Verläufen zeigen uns, dass sich die Situation dieser Kinder oftmals deutlich verbessern lässt, dass sie eine möglichst gute, konstruktive gesamt- psychische Entwicklung machen können, wenn sie in geeignete Maßnahmen oder in ein geeignetes Setting vermittelt werden können oder bei einer Rückführung die gesamte Familie hinreichend spezifische und adäquate Unterstützung erhält. Die eingangs erläuterten individuellen wie gesamtgesellschaftlichen weiteren Folgen lassen sich hierdurch deutlich abmildern bis verhindern.

Dass die Jugendämter im Kontakt mit dem KiD inzwischen wesentlich schneller bereit sind, uns Kinder zuzuweisen, obwohl zunächst höhere Kosten durch den höheren Pflegesatz entstehen, ist zudem bereits ein Indikator dafür, dass KiD mit seiner Diagnostik eine hilfreiche Unterstützung der Arbeit des Jugendamts bei Kindeswohlgefährdung darstellt.

Quantitative Wirkungen

Jedes Kind, das den Abbruch einer einzelnen Jugendhilfemaßnahme (wegen fehlender Passung der Maßnahme, Überforderung etc.) hinter sich hat und nicht zu Hause bleiben kann, verursacht mehr Kosten, da es im Zweifelsfall schwieriger wird und entsprechend ein höherer Hilfebedarf entsteht. Die notwendigen Folgemaßnahmen werden immer spezialisierter und damit kostenintensiver. Eine gute Diagnostik ermöglicht jedoch eine bessere Anpassung der Nachfolgemaßnahme an die Bedürfnisse des Kindes.

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Studie von Frau Prof. Dr. Kathinka Beckmann (siehe unten) ist deutlich zu erkennen, dass eine gute Diagnostik neben den individuellen auch deutliche finanzielle Vorteile hat. So wurde auf der Grundlage der Stammeinrichtung in Düsseldorf ermittelt, dass bei einer empfehlungskonformen Folgeunterbringung 23.095 Euro pro Kind eingespart werden. Die individuelle Wirkung (Verkürzung oder Minderung des Leidens etc.) wird somit durch eine zusätzliche gesellschaftliche Wirkung verstärkt. Die entstehenden Kosten, bei einer differenzierten Diagnostik und einer adäquaten Folgebetreuung, sind geringer als im kontrastierenden Fall. Hinzu kommen umgekehrt bei einem negativen Verlauf ggf. noch weitere Folgekosten (z.B. durch sich entwickelnde Kriminalität, fehlende Eingliederungsmöglichkeiten auf dem regulären Arbeitsmarkt, Folgebehandlungen im Gesundheitssystem oder frühe Inanspruchnahme des Rentensystems etc.).

Bezieht man die Ergebnisse von Frau Beckmann auf mehrere KiD-Häuser, ergeben sich folgende Einsparungen (s. Tabelle). Entsprechend erhöht sich der gesellschaftliche Nutzen fortlaufend.

Aus der Sicht des Jugendamts, so Peter Lukasczyk, sind Diagnostik und diagnostisches Verstehen wesentliche Erfolgsvoraussetzungen für gelingende und steuerungsunterstützende Hilfeprozesse bei den Hilfen zur Erziehung grundsätzlich und insbesondere in den Fällen, in denen Gewalt und Missbrauch als Ursache der Gefährdung anzunehmen sind.

Diagnostik ist im Jugendhilfekontext keine Verordnung, die idealtypisch ausschließlich durch einen Anbieter durchgeführt werden sollte, sondern fußt wünschenswerterweise auf einer eigenständigen sozialpädagogischen Diagnostik, die auf Seiten des öffentlichen Trägers (Jugendamt) erstellt wird. Dies ist in der Regel eine Aufgabe des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), der durch dieses erste „Fallverstehen" unter Zuhilfenahme verschiedener Methoden die Aufmerksamkeitsrichtung definiert.

Durch das Zusammenwirken beider Sichtweisen (ASD und Anbieter) und in der Beziehung zueinander wird aus Diagnostik die Grundlage für ein nachhaltiges Anschlusssystem, welches die dann nachfolgend tätigen Professionellen in die Lage versetzt, wirkungsvolle Settings zu entwickeln und umzusetzen.

Sollte diese wünschenswerte Voraussetzung nicht vorliegen, stellen die diagnostischen Aussagen und Hinweise auf Folgehilfen durch den Jugendhilfeträger KiD Kind in Diagnostik gGmbH wesentliche Grundlagen für die weitere Hilfeplanung im Rahmen des Verfahrens nach § 36 SGB VIII dar. Die gute Zusammenarbeit zwischen öffentlichem Träger und der Diagnostikeinrichtung führt zu einem gemeinsamen „Fallverstehen" und in Folge zu einem gemeinsamen Qualifizierungsprozess im Interesse der nachhaltigen positiven Entwicklung der anvertrauten Kinder.

"... und es rechnet sich doch!"

Effekte von Jugendhilfemaßnahmen im Kontext kommunaler Finanzierung (Prof. Dr. Kathinka Beckmann)

Die Profession Soziale Arbeit ist seit Jahren wachsenden Legitimationsanfragen im Kontext ihrer Wirtschaftlichkeit ausgesetzt; im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ist der Effizienzgedanke mit der Einführung des §78a-g SGB VIII im Jahr 1999 gesetzlich forciert worden. Vielerorts hat die damit verbundene Budgetierung zu enormem Druck auf die fallführenden Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Dienste der Jugendämter geführt, die nun fachlich bedarfsgerechte und oft kostenintensive Maßnahmen gegen Sparvorgaben durchkämpfen müssen. Hier kann sich eine „Kommunikation in Zahlen", also der Verweis auf eine langfristige Kostenersparnis für die Kommune, als sehr hilfreich erweisen. Die KID-Verlaufsstudie, die 346 Werdegänge von Kindern mittels umfassender Aktenanalyse sowie aufwändiger Rekonstruktion der Fallverläufe über einen Zeitraum von 18 Jahren analysiert, liefert Argumentationshilfen dafür, dass bedarfsgerechte kostenintensive Maßnahmen nicht zwangsläufig im Widerspruch zu einer langfristigen Kostenersparnis stehen.

Die Dokumentenanalyse hat gezeigt, dass nahezu alle untergebrachten Kinder Grenzverletzungen durch Gewalterfahrungen unterschiedlicher Art erlebt haben. Die emotionalen Kosten einer das ganze Leben prägenden Gewaltschädigung lassen sich nicht abbilden, was sich sehr wohl abbilden lässt, ist die Kostenintensität der Werdegänge. Diese sind jeweils für die erste (1994-2006) und zweite (2006-2012) Kohorte berechnet worden, wobei insbesondere der Blick auf die 146 Kinder der zweiten Kohorte die Notwendigkeit einer langfristigen Kostenperspektive verdeutlicht: Für 137 von ihnen konnte der institutionelle Werdegang, also welche Maßnahmen nach dem Entlassungstag durchgeführt worden sind, nachgezeichnet werden. Insgesamt sind den Jugendämtern in einem sechs Jahre umfassenden Zeitraum Kosten in Höhe von rund 10 Mio. Euro entstanden. Zum Hintergrund: Das KID wird entlang des sozialwirtschaftlichen Dreiecks als spezialisierte Intensivgruppe vom Jugendamt beauftragt, für das Kind und seine Familie ein differenziertes und auf die individuelle Lebensgeschichte ausgerichtetes Hilfsangebot zu erarbeiten. Nach abgeschlossener Diagnostik spricht die Einrichtung im letzten Hilfeplangespräch eine Empfehlung den weiteren Werdegang des Kindes betreffend aus. Auf Basis dieser Empfehlung kann das Jugendamt als Kostenträger weiterer Maßnahmen sein Handeln ausrichten. Die differenzierte Betrachtung in empfehlungsgemäße und nicht empfehlungsgemäße Werdegänge zeigt, dass die durchschnittlichen Kosten für einen empfehlungsgemäßen Werdegang bei 126.222 Euro liegen und die durchschnittlichen Kosten für einen nicht empfehlungsgemäßen Werdegang bei 149.317 Euro. Mit anderen Worten war der nicht empfehlungsgemäße Weg für das jeweilige Jugendamt mit 23.095 Euro um 18% kostenintensiver. Dieses Ergebnis korrespondiert mit einer der Aussagen der JESStudie: „nicht hilfeplangemäß beendete Hilfen können sich als immens kostenintensiv entpuppen" (BMFSFK 2002: 19f.).

Entlang der Logik der These „Die finanziell günstigere Unterbringung von Kindern entgegen der Empfehlung bedeutet langfristig eine kostenintensivere Maßnahme für das Jugendamt und damit auch für die Kommune" sind folgende Annahmen formuliert worden: Ein empfehlungsgemäß untergebrachtes Kind wird aufgrund der professionell pädagogischen Unterstützung eher einen Schulabschluss erlangen als ein nicht empfehlungsgemäß untergebrachtes Kind. Mit dem Schulabschluss wird es anschlussfähiger an den Arbeitsmarkt sein und in diesem Sinne langfristig gesehen den Staat als steuerzahlender Arbeitnehmer unterstützen. In der Umkehrung ergibt sich die Annahme, dass die nicht empfehlungsgemäß untergebrachten Kinder aufgrund mangelnder fachlicher Begleitung auch der Bezugspersonen weniger oft einen Schulabschluss schaffen. Damit steigt das Risiko von gering qualifizierter Beschäftigung und Erwerbslosigkeit, womit langfristig der Staat finanziell belastet wird.

Diese Annahmen erforderten eine Fokussierung auf die am Stichtag 31.3.12 erwachsenen ehemaligen KIDKinder. Von den 346 Kindern waren am Stichtag insgesamt 151 volljährig; 115 von ihnen konnten mittels der Recherche gefunden werden. Folgendes Szenario lässt sich abbilden:

47% verfügen über einen Hauptschul-, 25% über einen Realschulabschluss, 6% haben Abitur und 22% keinen Abschluss. Kreuztabelliert man Schulabschluss/ Empfehlung zeigt sich, dass 63% derjenigen, die nicht empfehlungsgemäß untergebracht worden sind, die Schule ohne Abschluss verließen. Die Daten zur Ausbildungssituation weisen in die gleiche Richtung, da im Falle von nicht umgesetzter Empfehlung rund 57% keine Ausbildung absolvieren bzw. absolviert haben.

Vielen Sozialpädagogen widerstrebt es, den Wert ihrer Arbeit mit und in Zahlen auszudrücken. Diese Scheu ist oft verknüpft mit dem Hinweis, dass „das eben unethisch ist". Bei allem Verständnis für diese Bedenken bleibt damit die Gefahr bestehen, dass Effekte von Jugendhilfemaßnahmen für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft unerkannt bleiben und nicht wertgeschätzt werden. Die KID-Verlaufsstudie liefert Argumente für die Notwendigkeit eines widerständigen Beharrens auf bedarfsgerechten Hilfen für die Kinder.

Literaturverzeichnis

Beckmann, K.: Kinderschutz in öffentlicher Verantwortung. Eine Verlaufsstudie von 346 Werdegängen im Kontext kommunaler Sozial- und Haushaltspolitik. Wochenschau Verlag 2014 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Kinder (BMFSFK) (Hg): Effekte erzieherischer Hilfen und ihre Hintergründe. Berlin 2002

Fearon und Hoeffler

Das britisch-amerikanische Wissenschaftlerduo Anke Hoeffler und James Fearon (Oxford und Stanford) hat sich in einer groß angelegten Studie mit den wirtschaftlichen Kosten beschäftigt, die durch kollektive wie interpersonelle Gewalt entstehen. Sie stellten fest, dass die wirtschaftlichen Schäden in Folge von verschiedenen Gewaltformen um ein Vielfaches höher sind als die durch Terror oder Kriege, und resümierten, dass die Formen von Gewalt, die für die Gesellschaft am teuersten sind, am wenigsten Aufmerksamkeit erhalten. Kindesmisshandlung und sexuelle Gewalt an Kindern machen dabei alleine 4,253% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus.

Kosten von Gewalt

Evaluation und Qualitätssicherung

Durch die Doktorarbeit von Frau Beckmann existieren bereits Querschnittdaten hinsichtlich der Wirkungen der Diagnostikergebnisse von KiD auf Jugendämter bzw. den weiteren Werdegang von Kindern. Diese Daten sollen auch genutzt werden, um Langzeitstudien zu entwickeln. Die Entwicklung der Kinder soll über einen Zeitraum von z.B. zwanzig oder mehr Jahren beobachtet werden. So möchten wir sowohl weitere Erkenntnisse über die Lebensläufe dieser Kinder und die Folgewirkungen unserer Arbeit gewinnen als auch unsere Maßnahmen daran ausgerichtet fortlaufend weiterentwickeln. Die Studie von Frau Prof. Dr. Beckmann wurde mit Stiftungsgeldern weitergeführt und die zweite Phase im Frühjahr 2014 abgeschlossen.

Zudem sind weitere qualitätssichernde Maßnahmen notwendig

  • Damit die Kinder in ihren Symptomen wirklich verstanden werden können und ein angemessener Umgang damit möglich wird, müssen die Aufsichtsbehörden an die besonderen Erfordernisse einer solchen Einrichtung herangeführt werden.
  • Wir streben eine Zertifizierung sowohl der KiD-Häuser wie auch allgemein der Diagnostik und Versorgung traumatisierter Kinder an.
  • Mittels der Einrichtung eines fachlichen Beirats wollen wir uns durchgehend auf dem neuesten Stand der Forschung den jeweiligen Herausforderungen stellen und die so gewonnenen Erkenntnisse wiederum an die einzelnen Standorte weitergeben.
Ziele...
  • Bundesweite Verbesserung der Qualität von diagnostischen Verfahren und der Versorgung gewaltgeschädigter Kinder durch den Aufbau weiterer KiD-Häuser in einer Art „Franchising"-System
  • Unterbrechung der Spirale der Gewalt bei den Betroffenen und Erhöhung der Lebensqualität
  • Finanzielle Entlastungen im Gesundheits- und Sozialwesen
  • Effektiver Ausbau von Helfer-Netzwerken vor Ort mit Hilfe der KiD-Häuser
  • Entwicklung neuer, verbindlicher Qualitätsstandards und eines Zertifizierungsverfahrens
  • Verbindung von Praxis, Wissenschaft und Lehre durch Fortbildung, Weiterbildung und Entwicklung neuer Curricula für bestehende Ausbildungs- und Studiengänge
Risiken und Besonderheiten
  • Notwendigkeit der Träger, sich auf dieses herausfordernde Klientel einzulassen, was Einiges an Wissen sowie hohen Aufwand erfordert
  • Notwendigkeit der Träger, die aufwendige Betreuung der Kinder zu gewährleisten
  • Berücksichtigung und Einbezug des ggf. hohen Verleugnungspotentials der Familien
  • Höherer Pflegesatz als bei einer stationären Regeleinrichtung
Chancen
  • Eigenständige, sich selbst tragende Finanzierung der KiD-Häuser durch den Pflegesatz nach der konzeptuell vorgesehenen ca. vierjährigen anfänglichen Linterstützungsphase
  • Umfassende Unterstützung seitens KiD Kind in Diagnostik in Form von Personalauswahl, Teamentwicklung, Supervision, Coaching, Krisenintervention, Rechtsberatung sowie Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern
  • Anbieten eines differenzierten Konzepts auf der Grundlage langjähriger Erfahrungen und neuester Entwicklungen, Informationen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis
  • Kontinuierliche Steigerung und Weiterentwicklung von Qualität und Effektivität in der Arbeit durch Kommunikations-/Austauschmöglichkeiten sowie gemeinsame Fort- und Weiterbildungen für die Mitarbeiter der KiD-Häuser
  • Zusätzliche Unterstützung der KiD-Häuser durch Aufbau eines regionalen, langfristigen Sponsorings
Geschäftsmodell

Die Wahl des Geschäftsmodells einer „Gemeinnützigen GmbH" ergibt sich aus der Notwendigkeit, Spenden von Privatleuten, Firmen, Unternehmen sowie Stiftungen zu akquirieren, damit KiD Kind in Diagnostik die KiD-Häuser vor Ort unterstützen kann, ohne dass den jeweiligen Betreibern der Häuser zusätzliche Kosten entstehen, die gerade in der Anfangsphase eine hohe Belastung des Etats darstellen. Haben sich die Einrichtungen nach circa vier Jahren etabliert, entstehen den jeweiligen Betreibern nur noch Lizenzkosten; somit können sie weiter von den beschriebenen Angeboten profitieren.

Selbstverständlich können auch diese Beiträge über Spenden refinanziert werden, die entweder vom Träger selbst akquiriert werden oder in der Zusammenarbeit mit KiD Kind in Diagnostik ermöglicht werden. Nach derzeitigem Erfahrungsstand benötigt jeder neu zu etablierende Standort eine Anschubfinanzierung von ca. 250.000 Euro verteilt auf ca. vier Jahre.

Träger ist die gemeinnützige GmbH KiD Kind in Diagnostik, die seit Frühjahr 2015 existiert. Die gGmbH wird durch zwei Geschäftsführer (Claus Gollmann und Peter Lukasczyk) und eine Assistentin (Vera Morawetz) vertreten.

Zusätzlich werden professionelle Mitarbeiter, die das KiD-Konzept bereits kennen, für uns tätig werden und freiberuflich die konkrete Arbeit vor Ort unterstützen.

Rechtsform und Gemeinnützigkeit

Die KiD, Kind in Diagnostik gGmbH wurde am 24.03.2015 durch die Gesellschafter Herr Claus Gollmann und Herr Peter Lukasczyk gegründet. Als Unternehmenssitz wurde die Stadt Köln gewählt. Die Eintragung im Handelsregister erfolgte am 28.04.2015 und wird beim Amtsgericht Köln unter dem Aktenzeichen HBR 84233 geführt.

Am 16.07.2015 erteilte das Finanzamt Köln-Mitte den Feststellungsbescheid zur Gemeinnützigkeit. Das Unternehmen führt die Steuernummer 215/5870/2264.

Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe gemäß § 75 SGB VIII mit Beschluss des Jugendhilfeausschusses der Stadt Köln erteilt.

Unsere Kinder... Thea

Das Leben der bei uns untergebrachten Kinder ist meist in einem Ausmaß belastet, das für Außenstehende kaum vorstellbar ist. Die Erwachsenen, mit denen diese Kinder aufwachsen, sind selbst meist biografisch extrem belastet, in ihrer Situation dann hilflos, überfordert und nicht in der Lage, sich auf die Bedürfnisse von Kindern einzustellen. Daraus entstehen für die Kinder vielfältige Formen von Vernachlässigung, Bedrohung, Übergriffen, Abwertung und massiver Gewalt. Immer wieder sind auch wir entsetzt, welches Ausmaß diese Gewalt unter Umständen hat. Gleichzeitig sind wir voller Bewunderung, wie stark der Lebenswille der Kinder ist, um unter derart schrecklichen Bedingungen zu überleben. In ihrer Not entwickeln die Kinder Symptome und Auffälligkeiten. Dies ist meist ihre einzige Möglichkeit, sich mitzuteilen und auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Es braucht dann aber auch Menschen, die diese ggf. sehr unbequemen Signale (Aggressionen, eigene sexuelle Übergriffigkeit, Aufsässigkeit, tiefe Traurigkeit u.a.) erst einmal als Hilferufe wahrnehmen und verstehen. Die Kinder müssen oft jahrelang auf ihre Not aufmerksam machen, bis das zuständige Jugendamt davon erfährt und dann eine Diagnostik in Auftrag gibt. Unsere Aufgabe ist es dann, die Kinder und ihre Familien in ihrem Leid zu begleiten, zu verstehen, wie es zu Vernachlässigung, Gewalt etc. gekommen ist, und schließlich Empfehlungen zu geben, welche Schritte notwendig sind, damit das Kind sich erholen und gesund (weiter-)entwickeln kann. Um diese sehr komplexe Situation zu verdeutlichen, schildern wir im Folgenden zwei anonymisierte Beispiele.

Im Fall der siebenjährigen Thea war das Jugendamt ursprünglich um Amtshilfe bei einem Polizeieinsatz im Zuge der Verhaftung des Kindsvaters gebeten worden. Während der Enttarnung eines Internet-Kinderpornorings hatten sich fotographische Beweise für einen sexuellen Missbrauch durch den Vater an Thea ergeben. Nach der Inhaftierung des Vaters hatte das Jugendamt eine ambulante Hilfe für Mutter und Tochter installiert. Theas Mutter konnte jedoch die Vorwürfe gegen ihren Mann nicht glauben. Sie wirkte zudem selbst hoch belastet. Als dann deutlich wurde, dass Thea unter einem Schweigegebot stand, nahm das Jugendamt Thea in Obhut und brachte sie zur stationären Diagnostik im KiD unter.

Hier fiel sie zunächst vor allem dadurch auf, dass sie in vielen Situationen kompetent, angepasst, vermeintlich unauffällig und regelrecht „brav" wirkte. Thea zeigte zudem ihr hohes kognitives Potential und eine ausausgeprägte Alltagsklugheit. Auch die Schule hatte vor Theas Inobhutnahme nichts bemerkt und sie für ein fröhliches und lernfreudiges, wenn auch ab und zu abwesend wirkendes Mädchen gehalten.

In den folgenden Wochen veränderte sich Thea jedoch. Sie war und fühlte sich jetzt in Sicherheit und begann, „auffälliger" zu werden. Damit gab sie uns zu verstehen, dass ihre vorherige Unauffälligkeit bereits ein Symptom gewesen war. Durch Verdrängung und Abspaltung unerträglicher Gedanken und Gefühle, durch ihr Funktionieren, ihre immensen Bemühungen, ein unauffälliges, angepasstes Mädchen zu sein, hatte sie lange Zeit das Schreckliche vor sich und anderen verborgen und psychisch überlebt. Welche Folgen eine solche Anpassung hat, zeigte Thea nach und nach in der Diagnostik. Sie begann einzunässen und einzukoten, sie litt unter heftigen Alpträumen. Sie klagte über körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, obwohl die medizinischen Untersuchen ergaben, dass sie körperlich gesund war. Thea begann zudem, Mitarbeiter und andere Kinder verbal zu provozieren und zu manipulieren. Und immer noch versuchte sie eine möglichst unauffällige Fassade aufrecht zu erhalten. Oberflächlich betrachtet konnte sie immer noch unbelastet und fröhlich wirken. Erst in der Zusammenschau aller diagnostischen Eindrücke und Beobachtungen wurde ersichtlich, dass Thea sich ihre scheinbare Unauffälligkeit wie eine Art Tarnmantel umlegte. Dahinter wurde jedoch die verletzte, einsame und innerlich leere Thea immer sieht- und spürbarer. Immer deutlicher wurde der desolate psychische Gesamtzustand, in dem sie sich befand.

In den Diagnostikterminen verstummte Thea sofort, wenn man sie nach ihrer Familie oder nach der Vergangenheit fragte. Sie schwieg dann lange und wirkte wie gelähmt. Das traumatische Erleben schien in Thea völlig abgekapselt und auch für sie selbst kaum erreichbar zu sein, sodass es lediglich in Gestalt der totalen physischen und psychischen Erstarrung an die Oberfläche trat. Sobald die Vergangenheit jedoch verlassen wurde, zeigte sich in rigoroser Abspaltung des Traumaerlebens dann unvermittelt ein fast unbelastet wirkendes Mädchen. Zu aktuellen Themen war Thea präzise orientiert und erzählte mit klarer Stimme vom Alltag in der Gruppe, berichtete zum Beispiel von ihren Kontakten zu Kindern im KiD und von den jeweiligen Pädagogen. Zeitgleich äußerte sie klar, dass es gut sei, im KiD zu sein, und zeigte sich geradezu entlastet und froh. Sie äußerte, dass sie weder Vater noch Mutter vermissen würde. Völlig affektlos meinte sie, dass es aber in Ordnung sei, wenn die Mutter sie gelegentlich besuchen würde.

Im weiteren Verlauf der Diagnostik wurde deutlich, dass Thea vor der Vorstellung zu fliehen versuchte, dass die Mutter sehr wohl wissen könnte, was sie (Thea) mit dem Vater erlebt hatte, welche Rolle die Mutter gehabt hatte, warum diese subjektiv nichts hatte merken und sie nicht hatte schützen können.

Theas Mutter nahm die angebotenen Gespräche im KiD wahr. Hier wurde immer wieder das immense Ausmaß ihrer eigenen Belastung deutlich. In ihrem Redefluss nahm sie zunächst vordringlich Bezug zu ihrer eigenen Situation und konnte kaum ihre Tochter in den Blick nehmen. Deutlich wurde, dass sie selbst in einer hoch problematischen, emotional eher unterversorgenden Familiensituation mit einem sehr strengen und gewalttätigen Vater und einer Grenzen und Rollen verwischenden Mutter aufgewachsen war. Diese hatte das Mädchen eher als Freundin denn als Tochter gesehen und so deren eigene Wahrnehmung und Intuition verzerrt. Die innigste Zuneigung hatte die Kindsmutter von ihrem älteren Bruder erhalten. Dessen allmähliche Grenzüberschreitungen und schlussendliche sexuelle Übergriffe konnte sie zunächst als solche kaum erkennen, seine Handlungen weder den Eltern offenbaren noch die Beziehung zu ihm aufgeben, da sie über ihn zugleich auch die meiste emotionale Zuwendung erhielt.

Theas Vater berichtete in Gesprächen in der JVA über seine von Alkoholismus und physischer Gewalt geprägte Kindheit mit einem hoch aggressiven und gewalttätig-übergriffigen Vater sowie einer hilflos und emotional gleichgültig erscheinenden Mutter. In diesem Zusammenhang beschrieb er sein Nähe suchendes und dabei sexuell übergriffig agierendes Verhalten in Richtung seiner Cousinen. Sein missbräuchliches Verhalten gegenüber seiner Tochter Thea empfand er als „sein Recht" und nicht als übergriffig, obwohl er es gegenüber seiner Frau sehr wohl strategisch zu verheimlichen bemüht gewesen war.

In weiteren Gesprächen mit Theas Mutter wurde im Laufe der Diagnostik immer deutlicher, dass sie sehr wohl in der Vergangenheit ungute Gefühle und offene Fragen hinsichtlich des Verhaltens ihres Mannes in Versorgungs- und Spielsituationen mit Thea gehabt hatte. Diese hatte sie jedoch aufgrund ihrer eigenen Unsicherheit gleich wieder geleugnet und verdrängt. Da Thea in der Wahrnehmung der Mutter gegenüber dem Vater zudem gleichbleibend zugewandt und fröhlich gewirkt hatte, war diese zusätzlich beruhigt gewesen. Thea war jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits in dem Dilemma gefangen, Loyalität und Harmonie zu wahren und nicht zuletzt ihre Versorgung weiter sicherzustellen etc. In der Diagnostik mit dem Mädchen war nach und nach deutlich geworden, dass sie die Mutter nicht nur als nicht sehend und nicht schützend erlebt hatte, sondern darüber hinaus auch als wenig versorgend. Für Thea war der Vater emotional viel bedeutender gewesen. Er hatte Thea missbraucht und gleichzeitig aber auch viel Zeit mit ihr verbracht und sich um sie gekümmert. So war die Bindung zwischen seiner Tochter und ihm tatsächlich enger als zwischen Thea und der Mutter.

Theas Mutter konnte in unserer intensiven Beratung erkennen, welche Bedeutung ihr Nicht Schützen und ihre fehlende emotionale Präsenz für ihre Tochter gehabt hatten. Sie konnte für sich erarbeiten, dass sie beide, Mutter und Kind, Zeit benötigen würden, um eine neue, konstruktive Beziehung zu entwickeln. Entsprechend konnte die Mutter sich darauf einlassen, dass Thea nach dem KiD zunächst eine Zeit lang in einer entsprechenden traumapädagogischen Intensivgruppe leben durfte. Hier erhielten Mutter und Tochter die Gelegenheit, an ihrer Beziehung zu arbeiten, mit dem Ziel, beiden zukünftig ein gelingendes Zusammenleben zu ermöglichen. Thea wurde zudem die pädagogische und therapeutische Unterstützung zuteil, um ihre eigenen Themen zu bearbeiten. Parallel dazu benötigte sie dringend die Zeit und den Raum, um sich aus der destruktiven Umklammerung des Vaters zu lösen. Das half ihr, ihre eigenen ambivalenten Gefühle zuzulassen und die bisher unverbunden nebeneinander bestehenden innerpsychischen Anteile zu integrieren, sowie ihre Persönlichkeit zu füllen und diese wachsen zu lassen.

Unsere Kinder... Tim

Der zehnjährige Tim wurde uns auf Wunsch des Jugendamts direkt von der Kinderstation des nahegelegenen Krankenhauses überwiesen. Tim war durch einen niedergelassen Arzt ins Krankenhaus eingewiesen worden und machte dort widersprüchliche Angaben zur Ursache seines Armbruches. Zusätzlich hatte er diverse massive Wunden in unterschiedlichen Heilungsstadien, Prellungen und Kratzspuren. Nachdem seine Mutter einige Tage später zusammen mit ihrem offensichtlich stark alkoholisierten Lebensgefährten versucht hatte, Tim aus dem Krankenhaus zu holen, wurde ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen, außerdem stellte das Jugendamt Strafanzeige. Als Tim zu uns ins KiD kam, wirkte er traurig und bedrückt. Seine Mutter stand für Gespräche nicht zur Verfügung, da sie untergetaucht war. Sein Vater, der sich einige Zeit zuvor von der Mutter getrennt hatte, konnte und wollte keine Informationen zur aktuellen Situation geben. Über die Großmutter bekamen wir schließlich einige Informationen zum innerfamiliären Hintergrund. So wurde deutlich, dass Tim als eigentlich erwünschtes erstes Kind junger Eltern auf die Welt gekommen war, die mit dem Jungen jedoch überfordert zu sein schienen. Für den selbst aus einer lieblosen und durch physische Gewalt und Vernachlässigung geprägten Familie fliehenden jungen Kindsvater standen Frau und Kind für Erlösung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Von seiner neuen Situation völlig überfordert reagierte er mit emotionalem Rückzug und Flucht in den Alkohol sowie mit sehr gewährendem Erziehungsverhalten, während sich die durchsetzungsstärkere Kindsmutter genau dadurch alleingelassen und überfordert fühlte.

So war Tim bereits früh auf sich allein gestellt gewesen, hatte nur eingeschränkt emotionale Unterstützung und keinerlei Förderung erhalten. Zudem bekam er viele Streitigkeiten zwischen seinen Eltern mit. Auf die Geburt seiner Schwester reagierte er sichtlich eifersüchtig und vermehrt aggressiv. Die Streitigkeiten zwischen seinen Eltern eskalierten, die Eltern trennten sich und die kleine Schwester wurde von der Mutter zum Vater gebracht. Tim hingegen blieb bei seiner Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten. Die Sorgen der Großmutter um Tim wuchsen in den folgenden Monaten, da er ihr oft vernachlässigt schien und unregelmäßig zur Schule ging. Auf die Nachricht, dass Tim im Krankenhaus lag, reagierte sie extrem erschrocken, bestürzt und schuldbewusst. Seine Verletzungen sah sie als Zeichen dafür an, dass er offensichtlich längere Zeit vom Lebensgefährten der Mutter gequält worden sei.

Im KiD erlebten wir Tim zunächst als unfähig, eigene Wünsche zu äußern. Viele seiner emotionalen Regungen wie Wut, Aggression, aber auch Trauer, Sehnsucht und Schmerz schien er nicht steuern zu können und agierte aus seiner Not heraus permanent aggressiv. Alltagssituationen wirkten zudem ängstigend auf ihn. Seine Angst machte ihn hilflos bis depressiv, in manchen Momenten wirkte er sehr in sich gekehrt und verschlossen. Er wollte dann weder reden noch abgelenkt noch aufgemuntert werden, wir spürten wie traurig, verzweifelt und einsam Tim schien. Seine Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühle kompensierte er zeitweilig durch überzogenes Männlichkeitsgebaren.

Sehr traurig und resigniert sprach Tim im Laufe der Diagnostik immer wieder von der schlimmen Zeit nach der Trennung seiner Eltern, als er bei seiner Mutter und deren neuem Lebensgefährten gelebt habe. Es wurde ersichtlich, dass der Lebensgefährte ihn offensichtlich vielfach misshandelt hatte. Unter anderem gab Tim an, mit einem Baseballschläger geschlagen worden zu sein. Im Krankenhaus waren damals auch Spuren von Stichwunden gefunden worden. In Spielsequenzen thematisierte Tim mehrfach in beeindruckender Weise den Kampf von Gut gegen Böse. Er bestätigte, dass er oft an die damaligen Vorfälle denken müsse und dann traurig oder wütend sei. Häufig schien Tim sich jedoch nur undeutlich an seine Vergangenheit erinnern zu können. Belastende und traumatische Erlebnisse hatte er in diesen Phasen in einem diffusen Erinnerungsnebel verdrängt, ebenso aber auch positive Erlebnisse und schöne Erinnerungen.

Über seine Mutter sprach Tim von sich aus nie. Danach gefragt machte er klar, dass er nicht über sie reden wolle, seine Wut und Enttäuschung wurden spürbar. In den hoch sadistischen Misshandlungssituationen durch den Lebensgefährten hatte sich Tim von seiner Mutter unbeschützt und im Stich gelassen gefühlt. Er fragte sich außerdem, welche Schuld er an der erlittenen Gewalt hatte.

Der Vater war für ihn mit großer Sehnsucht nach Familienzugehörigkeit und Geborgenheit verbunden. Dennoch wusste er, wie wenig belastbar der Vater aufgrund seiner eigenen, ebenfalls traumatischen Vorgeschichte war, und schonte ihn dementsprechend. Mit großer Dankbarkeit erlebte Tim die Zeit im KiD und war glücklich über Fürsorge, Achtung und Schutz, die er bei uns erhielt. Er war froh, wenn sein Vater ihn besuchte und auch seine Großeltern, zu denen er eine herzliche Beziehung zu haben schien.

Tim benötigte unserer Einschätzung nach perspektivisch einen stabilen Lebensraum mit Beziehungsangeboten von verlässlichen, transparenten Mitarbeitern, die nicht in Konkurrenz zu seinem Vater traten. Er wurde vom Jugendamt auf unsere Empfehlung hin in einer Behandlungsgruppe untergebracht, die die Arbeit mit ihm wie auch mit seinem Vater leisten konnte. Hier war behutsam und verlässlich das - in der Vergangenheit verletzte - Grundbedürfnis nach Schutz und Sicherheit gewährleistet. Ein Klima von Zuwendung und Vertrauen in einer kleinen überschaubaren Gruppe und eine therapeutisch verstehende Haltung waren nötig, um Tim ein Nachlernen im Umgang mit den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Wünschen und Ideen zu ermöglichen. Zusätzlich wurde eine begleitende kindertherapeutische Behandlung zur Aufarbeitung seiner Traumata installiert.

Außerdem fand intensive Elternarbeit mit der Aufgabe statt, viel wertschätzende und wohlwollende, aber auch immer wieder respektvoll konfrontierende Unterstützung anzubieten, sodass der Kindsvater seinem traumatisierten Sohn beistehen konnte. Der Vater zeigte so viel echtes Interesse an seinen Kindern, dass er alle Unterstützung, um seine Rolle als allein erziehender Vater neu zu definieren und sich darin zu erproben, gern annahm.

Die Entwicklung von KiD

Vision

In jedem Bundesland ein KiD - Haus

Dadurch eine flächendeckend verbesserte Haltung und ein entsprechendes Knowhow zur Versorgung.
2014

Mattisburg Hamburg (Träger: Großstadtmission)

Hier wurden im Zeitraum von September 2014 bis März 2017 insgesamt ca. 25 Kinder nach dem KiD Konzept betreut. * Stand April 2017: Da die Großstadtmission der Mattisburg eine andere inhaltliche Ausrichtung geben will, wird das KiD Konzept in naher Zukunft in Hamburg in Kooperation mit einem anderen Träger umgesetzt werden.
2009

KiD - Haus in Hannover (Träger: Bethel Stiftung)

Bisher ca. 80 behandelte Kinder
1994

1. KiD - Haus in Düsseldorf

Seit der Gründung ca. 540 behandelte Kinder

Unterstützer

Ashoka

logoashokaAshoka ist die erste und weltweit führende Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurs (Sozialunternehmerinnen) - Frauen und Männer, die mit innovativen, replizierbaren Konzepten drängende gesellschaftliche Probleme lösen. Gut 3.000 Ashoka Fellows in über 80 Ländern sind das Herzstück des Netzwerks - und inspirieren auf ihrem Weg viele Menschen dazu selbst aktiv zu werden.

Denn das ist Ashokas Vision: Eine Gesellschaft, in der jede und jeder Einzelne ermutigt und unterstützt wird zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beizutragen und positiven Wandel zu gestalten: Everyone a Changemaker.

Alle Fellows haben den international einheitlichen Auswahlprozess durchlaufen und erhalten Förderung durch das Fellowship-Programm. Der erste deutsche Fellow wurde 2005 in das Netzwerk aufgenommen. Heute wirken in Deutschland bereits über 50 Fellows in ganz verschiedenen Bereichen. Sie ermöglichen Langzeitarbeitslosen Existenzgründungen, stärken die Sozialkompetenzen von Kindern, Wirken dem Höfesterben entgegen, bringen Transparenz in die Demokratie und vieles mehr.

http://www.germany.ashoka.org/

 

Making More Health

logo mmhSeit 2010 arbeiten Boehringer Ingelheim und Ashoka im Rahmen der globalen Initiative „Making More Health" zusammen. Unsere Vision ist es, neue Methoden zur Verbesserung der weltweiten Gesundheitsversorgung zu identifizieren. Wir verfolgen das Ziel, soziale Innovationen auf der ganzen Welt aufzuspüren, unkonventionelle Partnerschaften und Geschäftsmodelle zu erschließen und die Mitarbeiter von Boehringer Ingelheim darin einzubinden. Die „Making More Health"-Partnerschaft baut auf den Erfolg von Ashoka und Boehringer Ingelheim als die in ihrem jeweiligen Gebiet führende und innovative Organisation auf. Beide Partner bringen ihre herausragenden Fähigkeiten und Kompetenzen in die gemeinsame Zusammenarbeit mit ein. Durch die Unterstützung von Sozialunternehmern im Gesundheitsbereich verfolgt Boehringer Ingelheim das Ziel, über sein Kerngeschäft hinaus einen Beitrag zu besserer Gesundheit zu leisten. In Kooperation mit Ashoka möchten wir uns den Herausforderungen des Zugangs zur Gesundheitsversorgung im 21. Jahrhundert stellen. Im Mittelpunkt steht dabei ein verbessertes Verständnis für die Trends in Schlüsselbereichen. Dazu zählen die Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen, die Globalisierung von Gesundheitsfragen, der Wandel der Dienstleister im Gesundheitsbereich sowie die Rolle des Patienten, insbesondere bei Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen.

Der Erfolg unserer Partnerschaft hängt jedoch auch von dem Wissen und der Einsatzbereitschaft all der Menschen ab, die unsere Anliegen und Werte teilen. Dazu gehören die Mitarbeiter von Boehringer Ingelheim sowie die einzelnen Ashoka Fellows. Und jeder, der sich aktiv an einem der vier angebotenen Tätigkeitsfelder beteiligt, um das Netz weiterzuspinnen, dass Ashoka in den letzten 30 Jahren entwickelt hat

http://www.makingmorehealth.org/

 

16. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag

Logo 16.DJHT

unser Team

claus

Claus Gollmann

Geschäftsführer

Mein Studium zum Diplom- Sozialpädagogen beendete ich 1984 in Köln. Die ersten Erfahrungen mit gewaltgeschädigten Kindern und ihren Familien machte ich Mitte der 80er Jahre in der Kinderund Jugendpsychiatrie der Bergischen Diakonie Aprath.

In dieser Zeit lernte ich dort den leitenden Arzt Dr. Eugen Jungjohann kennen, der schon früh erkannt hatte, dass viele Störungsbilder der Kinder in seiner Klinik, aber auch die ihrer Eltern, Folgen von Gewalterfahrungen waren. 1988 verließ er seine Klinik, um die erste ärztliche Kinderschutzambulanz am Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf ins Leben zu rufen. Dort führte er mich an die diagnostische Arbeit mit den Kindern heran, vermittelte mir ein Verständnis der Arbeit mit den Schädigern und unterstützte mich bei meinen innovativen Handlungsstrategien in der Arbeit mit gewaltgeschädigten Kindern.

Durch die Erfahrungen im ambulanten Setting wurde mir schnell klar, dass viele der Kinder einen „sicheren Ort“, ein stationäres Angebot brauchten, um sich auf diagnostische Prozesse umfassender einzulassen. Daher entwickelten die damalige stellvertretende Leiterin der Kinderschutzambulanz, die analytische Kinder- und Jugendlichen- Psychotherapeutin Gudrun Quitmann und ich ein Konzept, das einen stabilen pädagogischen Alltag, Diagnostik und Therapie unter einem Dach verbinden sollte.

1994 eröffnete Kind in Düsseldorf (KID) unter meiner Leitung mit einem neu zusammengestellten interdisziplinären Team. Nachdem ich bereits zuvor die Ausbildung zum Paar- und Familientherapeuten abgeschlossen hatte, absolvierte ich zusätzlich eine Weiterbildung zum Supervisor am Institut für humanistische Psychologie in Köln und führte in der Folgezeit viele Supervisionen in verschiedensten Institutionen und Organisationen durch. Meine Erfahrungen als approbierter Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut, Diagnostiker und Therapeut im Kinderschutz stellte ich in vielen Schulungen, Fort- und Weiterbildungen zur Verfügung und entwickelte mit der Hochschule Koblenz einen Masterstudiengang, der Kinderschutz in den verschiedenen Professionen berücksichtigt. Seit 2009 berate ich Träger und Organisationen, die das KiDKonzept übernehmen wollen.

peter

Peter Lukasczyk

Geschäftsführer

In meiner 12jährigen Tätigkeit als Abteilungsleiter für den Allgemeinen Sozialen Dienst und die Hilfen zur Erziehung im Jugendamt der Landeshauptstadt Düsseldorf wurde mir die Bedeutung einer qualifizierten Diagnostik deutlich bewusst. Eine steuerungsrelevante Diagnostik bezieht sich einerseits auf das Fallverstehen der Mitarbeitenden im Allgemeinen Sozialen Dienst, andererseits auf das jeweils betroffene Kind.

Insbesondere bei gewaltgeschädigten und in Folge traumatisierten Kindern ist das genaue Erkennen der Zusammenhänge der Gewaltschädigung sehr bedeutungsvoll für den anschließenden Hilfeprozess.

In diesem Zusammenhang lernte ich die Diagnostikeinrichtung Kind in Düsseldorf und ihren Geschäftsführer C. Gollmann kennen und konnte mich in vielen Fällen von der Qualität der Diagnostik und der anschließenden Hilfemaßnahmen überzeugen. Aus diesen professionellen Kontakten entwickelte sich die gemeinsame Idee, dieses Fachkonzept in die „Republik“ zu tragen. Die Einladung, in dieser neuen gemeinnützigen Gesellschaft aktiv mitzuwirken, habe ich sehr gerne angenommen.

In den zukünftig gemeinsam zu gestaltenden Projekten liegt mir besonders am Herzen zu versuchen, die Eltern dieser Kinder - trotz ihres Unterlassens oder ihres aktiven Schädigens - in die Diagnostik und die anschließende Hilfe annehmend mit einzubeziehen.

Seit 1982 bin ich aktiv in unterschiedlichen Feldern der sozialen Arbeit tätig gewesen, habe kleinere und sehr große Organisationseinheiten geleitet. 2008 habe ich das Unternehmen Jugendhilfe Consulting JHC gegründet, das öffentliche und freie Träger in unterschiedlichen Fragen berät und Fort- und Weiterbildungen anbietet. Seit 2015 bin ich als Inhaber der Jugendhilfe Consulting JHC selbständig tätig.

vera

Vera Morawetz

Assistentin der Geschäftsführung

Seit 1999 bin ich als Psychologin und psychologische Psychotherapeutin in der Kinder- und Jugendhilfe sowie in der psychotherapeutischen Versorgung von Jugendlichen und Erwachsenen tätig. Speziell interessiert haben mich immer schon komplexe Zusammenhänge und Psychodynamiken sowie die Arbeit mit gewaltgeschädigten und traumatisierten Kindern und Jugendlichen und was ihre weitere Entwicklung negativ, aber auch positiv beeinflussen kann. Hierbei wurde mir klar, wie unterschiedlich die jeweiligen Bedarfslagen waren und wie schwierig es oft erschien, diesen im Rahmen der „normalen“ Jugendhilfe gerecht zu werden. Es gab zwar ambulant arbeitende Angebote, im stationären Rahmen waren jedoch zu wenig geeignete und vor allem längerfristig arbeitende Angebote vorhanden. Ähnlich stellte sich das Bild seitens des Gesundheitssystems dar; diese Kinder tauchten zwar z.B. in der Kinderund Jugendpsychiatrie auf, ihre komplexe Situation fand jedoch kaum Raum; oder aber es fanden sich Patienten in den Praxen ein, deren Entwicklung zum Teil sehr erschwert erschien durch fehlende oder ungeeignete Hilfen in der Vergangenheit. Schließlich lernte ich das KiD kennen und war sehr angetan von dem Ansatz, den sich ergebenden Möglichkeiten, der großen Aufgabe sowie der Haltung der Mitarbeiter. Seit 2007 gehöre ich jetzt zum Therapeutenteam des KiD und meine Begeisterung für diese Arbeit hat dabei kontinuierlich zugenommen. Nach der Mitarbeit bei Diagnostik und Therapie beinhaltet mein Tätigkeitsfeld u.a. inzwischen die Suche nach geeigneten Nachfolgeeinrichtungen nach Beauftragung durch das Jugendamt, konkret die Aufstellung eines Kriterienkatalogs und entsprechenden Suchprofils, die differenzierte Recherche sowie den intensiven Vorabaustausch mit in Frage kommenden Einrichtungen etc.

Dies hat mir zweierlei nochmals sehr vor Augen geführt: zum einen gibt es bereits sehr engagierte Einrichtungen, die sich darum bemühen, gewaltgeschädigten und traumatisierten Kindern eine gute Zukunft zu verschaffen, allerdings übersteigt die Nachfrage bei weitem das vorhandene Angebot, zum anderen „irren“ viele Kinder immer noch auf einer regelrechten Odyssee umher, da immer noch sowohl spezialisierte Diagnostik- wie auch Behandlungsplätze fehlen.

Insofern erscheinen mir die Vision und das Aufgabenfeld, denen sich KiD Kind in Diagnostik stellen will, sowohl absolut sinnvoll und notwendig wie auch sehr reizvoll.

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